Es war eine jener Nächte, in denen die Sterne so klar und nah schienen, als könnte man sie berühren, wenn man nur die Hand ausstreckte. Lena saß auf der alten Holzschaukel hinter dem Haus ihrer Großmutter, die sanft im Wind knarrte. Die Welt um sie herum war still, aber in ihr tobte ein Sturm.

Let It go …let it fly
Die Kleinstadt, in der sie aufgewachsen war, hatte immer wie ein Käfig gewirkt – klein, eng, und voller Regeln. Doch in diesem Moment fühlte Lena etwas anderes. Es war keine Angst mehr, die sie lähmte, sondern eine Art Verlangen. Ein Ruf nach Freiheit, der wie ein Lied in ihrem Inneren schwang.
Im Ohr trug sie die Worte, die ihre Großmutter oft zu ihr gesagt hatte: „Manchmal, Liebes, ist Festhalten schwerer als Loslassen. Und manchmal musst du loslassen, um zu fliegen.“ Lena hatte diese Worte nie wirklich verstanden – bis jetzt.
Während sie aufblickte, zog eine Sternschnuppe eine leuchtende Spur über den Himmel. Es war, als würde der Himmel selbst sie auffordern, etwas hinter sich zu lassen, um Raum für Neues zu schaffen.
Plötzlich stand sie auf. Ihre Füße führten sie wie von selbst zum Fluss, der sich sanft durch die Felder der Stadt schlängelte. Hier, am Wasser, hatte sie einst mit ihrem Vater kleine Boote aus Blättern schwimmen lassen. Doch heute war sie allein, nur begleitet von den Klängen des Liedes, das in ihrem Kopf summte.
„Let it go, let it fly, like a star in the endless sky.“
Lena holte tief Luft. Sie zog aus ihrer Tasche einen kleinen, zerknitterten Zettel hervor – ein Brief, den sie nie abgeschickt hatte. Ein Brief voller Wut, Trauer und Fragen, die sie an jemanden richten wollte, der längst gegangen war. Sie faltete ihn auf und ließ ihn in den Fluss gleiten. Die Tinte begann sich zu lösen, die Worte verschwammen, während das Papier von der Strömung getragen wurde.
„Feel the beat, let it show, life begins when you let it go.“
Mit jedem Meter, den der Brief zurücklegte, fühlte Lena, wie auch ihr Herz leichter wurde. Der Schmerz, der so lange an ihr gezehrt hatte, begann sich aufzulösen. Sie legte ihre Hand aufs Herz und spürte, wie der Takt ihrer Schritte sich mit dem Rhythmus des Liedes in ihrem Kopf verband.
Im Tanz der Vergänglichkeit erkannte sie: Das Leben war keine Linie, sondern ein Kreis. Ein ständiges Kommen und Gehen, ein Finden und Loslassen.
Als der erste Sonnenstrahl über den Horizont brach, fühlte Lena eine neue Stärke in sich aufsteigen. Sie wusste nicht genau, was vor ihr lag, aber sie hatte keine Angst mehr. Denn manchmal musste man den Mut haben, die Vergangenheit loszulassen, um den Himmel zu berühren.
„Loslassen, fallen lassen, du wirst leichter, du wirst Licht.“ © by maypewaldter
Ich wünsch Euch eine schöne Zeit … [🌴….🏃]
