Ach, Sie sind Musiker? Was für ein erfrischend schräges Vergnügen!
So viele Jahre – mehr als 35, kaum zu fassen.
Und doch, es bleibt kein Ende in Sicht, dieses unaufhörliche Aufeinandertreffen mit dem Publikum, als ob der Kreis des Lebens nie einen Abschluss finden wollte.
Sie wissen schon, diese ewige Schleife, in der sich Gitarrensaiten mit den unausweichlichen Erwartungen der Zuhörer verbinden – es ist fast schon ein Trost, dass es kein Ende gibt.
Oder doch?
Na ja, was zählt schon die Zahl der Jahre, wenn man immer wieder die gleiche Melodie spielt, als wäre man eine Marionette, die sich dem Spiel des Lebens fügt, ohne je den Faden durchzuschneiden?
Sie haben sich also auf Folk-Music festgelegt, aber nicht zu sehr, richtig?
Wie eine vorsichtige Ehefrau, die sich nie ganz sicher ist, ob sie ihren Partner wirklich liebt, aber auch nicht genug Zweifel hegt, um sich zu trennen.
Es ist ein fein balancierter Tanz, bei dem die Gitarre als der stumme Begleiter dient, und die Stimme – Ihre Stimme – sie schleicht sich immer wieder in die Geschichte, wie ein ungebetener Gast, der das Fest nicht verlassen will. Und dann diese Einladung: „Sie können mich buchen!“ Ist das nicht der Gipfel der Ironie?
Ein Musiker, der seine eigene Musik zu einem Geschäft macht, als ob das Klanggewebe selbst von Währung durchzogen wäre.
Und wo Sie spielen können!
Ihre Hochzeiten, Grillfeten, Stadtfeste, Kneipen – es ist, als ob die Welt in ein einziges, riesiges Konzert verwandelt wird, das sich in eine Reihe von Kulissen aufteilt, die sich nie voneinander lösen lassen.
Die Bühne der Gesellschaft, ein endloser Kreis von Erwartungen, in dem jeder – ja, jeder – ein Stück vom Kuchen will, der eigentlich nie wirklich gebacken wurde.
Worauf es also ankommt? Fast nichts.
Denn in diesem Spiel von Tönen und Rhythmen, das Sie so lange spielen, bleibt der wahre Klang nur der Raum zwischen den Noten.
Aber ach, das ist Ihre Freiheit, oder?
Dieses Spiel von Hohlräumen und Akkorden, das so selbstverständliche, wie es zugleich unsinnig ist.
Und wer könnte es Ihnen verdenken, dass Sie dabei keinen Moment ruhen lassen, Ihre Gitarre stets griffbereit – als ob sie der Schlüssel zu all den Fragen wäre, die nie gestellt wurden.
Ach, Spielmann, der du ziehst durch Zeit und Raum,
Die Saiten klagen, deine Lieder träumen kaum.
Seit Jahr und Tag die Melodien erklingen,
Als müsst’ ihr Spiel die Welt in Kreisen zwingen.
Ein Lied vom Anfang, ohne End‘ zu finden,
Die Stimme ruft, doch löst sie keine Binden.
Dein Folk so treu, doch nie zu fest umschlungen,
Wie Lieb‘, die zögert, halb verloren, halb errungen.
Die Bühne wechselt, doch der Kreis bleibt gleich,
Ob Grillfeste, ob Feste stolzen Bereichs.
Ein Tanz des Lebens, stets in sich gefangen,
Wo Klang und Gold um leere Räume bangen.
„Mich könnt ihr buchen!“ rufst du in die Welt,
Ein Narrenspiel, wo Klang und Geld entstellt.
Doch wer mag tadeln, was so ewig währt,
Wenn Saiten klingen, wo die Zeit verzehrt?
So zieh‘, o Spielmann, weiter deinen Pfad,
Wo Raum und Klang in Noten sich verrat‘.
Dein Lied ist Schlüssel, Frage und Verweilen,
Ein leises Rätsel, das sich selbst zu heilen.
„Der Spielmann“ – ein poetisches Werk, das den wandernden Musiker in den Mittelpunkt stellt und zugleich die Flüchtigkeit und Beständigkeit seiner Existenz thematisiert. Der Spielmann zieht durch Zeit und Raum, seine Melodien scheinen über Jahrhunderte hinweg zu hallen, und doch bleiben sie für die Welt schwer fassbar, in ihrer Bedeutung wie in ihrer Form.
Der erste Vers stellt den Spielmann als eine Figur dar, die durch die Unendlichkeit der Zeit wandert. Seine Musik ist eine konstante Begleiterin, doch die Lieder erscheinen wie flüchtige Träume, die der Zuhörer nur schwer fassen kann. Es wird von einem „Lied vom Anfang“ gesprochen, einem Beginn ohne klares Ende, was auf den zyklischen Charakter von Musik und Leben hinweist. Die Melodie, so scheint es, wiederholt sich stets, ohne dass sie jemals vollends verstanden oder entschlüsselt wird.
Im zweiten Vers wird das Thema der Liebe aufgegriffen. Die Lieder des Spielmanns sind „treu“, aber niemals „zu fest umschlungen“. Diese doppeldeutige Zeile lässt sich als Metapher für die Beziehungen des Spielmanns lesen – einer Liebe, die sich stets im Ungefähren bewegt, die weder ganz verloren noch endgültig gewonnen ist. Der Spielmann ist der ewige Suchende, dessen Musik immer zwischen Nähe und Ferne oszilliert.
Der nächste Abschnitt beschreibt den Ort des Spiels: Die Bühne mag wechseln, doch der „Kreis bleibt gleich“. Es spielt keine Rolle, ob der Spielmann auf einem Grillfest oder in einem eleganten Festsaal spielt – die Musik bleibt dieselbe. Dieser Vers könnte als Kommentar auf die soziale Bedeutung von Musik und Kunst verstanden werden. Unabhängig vom äußeren Rahmen bleibt das zentrale Prinzip der Musik, ein sich wiederholender Zyklus von Klang und Bewegung, unverändert. In diesem „Tanz des Lebens“ wird der Spielmann selbst zu einem Teil des ewigen Kreises, einer ständig wiederkehrenden Bewegung.
Im darauffolgenden Teil des Liedes wird der Spielmann selbst zur ambivalenten Figur. Er ruft „Mich könnt ihr buchen!“, als sei seine Musik ein Angebot, das gegen Bezahlung konsumiert werden kann. Doch gleichzeitig wird seine Existenz als „Narrenspiel“ enttarnt – eine ironische Bemerkung, die die Vereinbarkeit von Kunst und Kommerz infrage stellt. Dennoch wird der Spielmann nicht verurteilt, sondern vielmehr als Teil eines unaufhaltsamen Prozesses angesehen, in dem Klang und Geld miteinander vermischt sind und somit die Welt des Spiels und der Musik weiterbesteht.
Das letzte Bild des Spielmanns als Wanderer, der „weiter seinen Pfad zieht“, verweist erneut auf den transzendenten Aspekt seiner Figur. Seine Lieder sind „Schlüssel, Frage und Verweilen“ – eine Einladung zur Reflexion und zum Verweilen in der Musik, die selbst ein Rätsel darstellt, das nie ganz gelöst werden kann. Der Spielmann ist eine ewige Frage, ein unaufhörlicher Suchender, dessen Lieder in den Raum und die Zeit eintauchen, ohne je ganz greifbar zu werden.
„Der Spielmann“ entführt uns in eine Welt, in der Musik und Leben zu einem mystischen und zugleich philosophischen Spiel verschmelzen. Das Gedicht ist sowohl eine Hommage an die Unbeständigkeit des Lebens als auch eine Feier der ewigen Kraft der Musik. Der Spielmann wird zum Symbol für das Streben nach Bedeutung in einer Welt, die stets im Wandel begriffen ist.