Lebewohl

Oh, wie süß war einst die Hoffnung, als ich dich, ein funkelnd Sternlein in der nächtlichen Ferne, erblickte.

Du, dessen Nähe mir die Kälte des Daseins zu wärmen schien, du, in dessen Blick ich Freundschaft wähnte.

Doch ach, welch Trug, welch bittrer Trug!

Nicht mehr als ein Schattenbild, ein flüchtig’ Nebel warst du, der sich im Lichte des Morgens verflüchtigt.

Wie oft streckte ich die Hand nach dir aus, in der Hoffnung, das Band zu knüpfen, das uns auf ewig verbinden sollte.

Doch meine Hand griff ins Leere, und in der Stille vernahm ich nur das Echo meiner eigenen Worte.

So blieb ich allein, in den finsteren Gängen meiner Gedanken, während du, wohlwollend lächelnd, deine eigenen Wege gingst.

Deine Schäfchen, ja, sie hüten und pflegen, das war stets dein edles Tun.

maypewaldter© 2024

Sie in Sicherheit wiegen, während ich, der blinde Narr, in den Abgründen der Seele irrte, vergeblich nach einem Funken Wärme suchend.

War es nicht stets dein Bestreben, das eigene Nest zu sichern, während ich in der Kälte der Einsamkeit erstarrte?

Doch nun, da ich das Antlitz der Wahrheit erkannt habe, will ich dich nicht länger aufhalten.

Geh, wohin es dich zieht, ins Licht oder ins Dunkel, mir ist’s einerlei.

Die Tür, die sich hinter dir schließt, wird nicht länger klagen, denn auch der Wind singt sein Lied, wenn er durch die einsamen Fluren weht.

Und so sei es! Der Vorhang fällt, das Spiel ist aus, und was bleibt, ist nur der Hauch einer Erinnerung, der sich bald verflüchtigen wird.

„Dann geh doch“, so spricht die Stimme des Herzens, das nun zur Ruhe kommen mag.

Die Bühne gehört dir, ein letztes Mal, doch ohne Applaus – die Bühne gehört nun mir, in der Stille, die du hinterlässt.

Leb wohl, mein flüchtiger Freund, leb wohl!


Und zum Schluss, ja, magst du es hören oder nicht, doch das Echo der Worte, die mich leiten, sind einfach, klar und unmissverständlich:

*„Dann geh doch…“*


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