Der tanzende Draht

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Ein kalter, futuristischer Regen fiel auf die gläsernen Kuppeln der Megastadt Novara.

Menschen eilten durch die neonüberfluteten Straßen, Schatten ihrer selbst, getrieben von Algorithmen, die jede Bewegung lenkten.

Inmitten dieses orchestrierten Chaos stand ein unscheinbarer Mann namens Kael.

Sein Blick war leer, seine Schultern gebeugt, doch tief in ihm loderte ein Funke, ein Echo seiner Seele, das nach Ausdruck drängte.

Kael war ein sogenannter „Kanalwanderer“ – jemand, der zwischen der physischen Welt und der digitalen Sphäre wechseln konnte.

Er hatte die Gabe, Datenströme zu fühlen, sie in Klänge und Farben zu verwandeln.

An diesem Abend führten ihn seine Schritte in eine verlassene Musikhalle am Rande der Stadt, ein Relikt aus einer Zeit, als Menschen noch ohne digitale Vermittlung kommunizierten.

Dort, im Halbdunkel, fand Kael ein altes, verstaubtes Klavier.

Seine Finger strichen zögerlich über die Tasten, und eine Melodie begann zu entstehen.

Es war, als würde er die Dissonanzen seiner eigenen Existenz in Töne gießen. Während er spielte, begann er zu singen:

Ein Mann, der die Gabe hat, Datenströme zu fühlen, sie in Klänge und Farben zu verwandeln(Strophe 1) Ein Draht tanzt im Wind, mal hier, mal dort,
zieht Kreise im Raum, ein seltsamer Sport.
Er beugt sich und biegt sich, kennt keine Ruh‘,
ein Echo der Seele, mal ich, mal du.

(Refrain)
Zwei Seiten der Münze, im ewigen Spiel,
ein Schatten im Licht, ein unendliches Gefühl.
Die Waage schwankt sacht, im Auf und im Nieder,
ein Flügelschlag leise, ein geflüstertes „Wieder“.

Die Klänge füllten den leeren Raum, als würden sie die Wände zum Leben erwecken.

Plötzlich bemerkte Kael, dass er nicht allein war.

Eine Frau stand am Eingang der Halle – Lyra, eine Code-Poetin, die Worte in digitale Kunst verwandelte.

Ihre Augen leuchteten im matten Glühlicht der alten Lampen.

„Das war wunderschön“, sagte sie leise. „Aber warum so melancholisch?“

Kael lächelte bitter. „Weil ich in einer Welt lebe, die von Gegensätzen zerrissen ist.

Alles ist entweder Eins oder Null, Licht oder Schatten. Wo bleibt da Platz für das Dazwischen?“

Lyra trat näher und setzte sich neben ihn.

Gemeinsam begannen sie, eine Melodie zu entwickeln, die ihre beiden Welten verband – seine Klänge und ihre Worte:

(Strophe 2)
Der binäre Code, ein Flüstern im Netz,
verbindet die Welten, setzt Grenzen versetzt.
Ein Echo der Wahl, im digitalen Raum,
ein Spiegelbild trüb, ein flüchtiger Traum.

(Refrain)
Zwei Seiten der Münze, im ewigen Spiel,
ein Schatten im Licht, ein unendliches Gefühl.
Die Waage schwankt sacht, im Auf und im Nieder,
ein Flügelschlag leise, ein geflüstertes „Wieder“.

Die Zeit schien stillzustehen, während sie komponierten.

Doch als sie die dritte Strophe erreichten, begann die digitale Welt, sich gegen sie zu wehren.

Ihre Melodie erzeugte Resonanzen, die die Grenzen zwischen den Realitäten verschwimmen ließen.

Kael konnte spüren, wie Datenströme sich um ihn legten, ihn zu verschlingen drohten.

(Strophe 3)
Die Maske zerbricht, das wahre Gesicht,
ein Puzzle der Teile, im Zwielicht erblickt.
Die Frage bleibt offen, im Strudel der Zeit,
wer bin ich im Kern, in Ewigkeit bereit?

Lyra griff nach seiner Hand, ihre Finger zitterten. „Hör nicht auf! Die Antwort liegt in der Musik.“

Kael spielte weiter, selbst als die Welt um sie herum zu zerfallen schien.

Die letzte Strophe war wie ein Funke, der das Dunkel erhellte:

(Strophe 4)
Ein Zwiespalt im Herzen, ein innerer Krieg,
zwischen Vernunft und Gefühl, ein ewiger Sieg.
Die Suche nach Einheit, im geteilten Sein,
ein Hoffnungsschimmer leise, im trûen Schein.

(Refrain)
Zwei Seiten der Münze, im ewigen Spiel,
ein Schatten im Licht, ein unendliches Gefühl.
Die Waage schwankt sacht, im Auf und im Nieder,
ein Flügelschlag leise, ein geflüstertes „Wieder“.

Prisma_projiziert_Welten

Mit dem letzten Akkord zerbrach die Grenze zwischen den Welten vollends.

Kael und Lyra fanden sich in einer neuen, vereinten Sphäre wieder, wo Licht und Schatten, Eins und Null, Harmonie fanden.

Es war kein Ende, sondern ein Anfang – ein ewiger Flügelschlag, ein geflüstertes „Wieder“.

Ich wünsch euch eine schöne Zeit [🌴….🏃]

#HymnischeKlänge #ZweiSeitenDerMünze #MusikFürsHerz #DualitätDesLebens


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